Deutsche Frauen vor sowjetischen Militärtribunalen, Annerose Matz-Donath

Die Spur der roten Sphinx

ISBN 978-3-938176-53-5

482 Seiten + 48 Seiten mit Bildern und Dokumenten

Paperback

NEUAUFLAGE

Verschwunden, verloren, vom Schweigen verschluckt, so gingen unzählige deutsche Frauen und Mädchen durch die Hölle sowjetischer Folterkeller, die zwischen 1945 und 1949 auch auf deutschem Boden, in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone, bestanden – ein kaum bekannter und dennoch untilgbarer Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte, der hier zum ersten Male unmittelbar die Farbe durchlittenen Lebens gewinnt. Die von den Sowjetischen Militärtribunalen verurteilten Frauen kamen im Februar 1950 zur weiteren Strafverbüßung in den Gewahrsam der DDR, die für sie ein besonders strenges Zuchthaus-Regime in einer Reihe von Sonderstrafanstalten errichtete.

Im Chor vieler Stimmen entrollt sich ein ergreifendes Panorama von Standhaftigkeit, Verzweiflung, Hoffnung und kleinen Lichtern der Menschlichkeit, die selbst auf der Seite derer nie ganz erloschen, die ein grausames System zu Vollstreckern und Peinigern bestellte.

Annerose Matz-Donath, die selbst fast 12 Jahre Gefangenschaft erleiden mußte, konnte 130 frühere Haftkameradinnen von etwa 1300 betroffenen Frauen interviewen. So entstand eine auf Aktenkenntnis und der Auswertung von zehntausend Seiten der Gesprächsprotokolle gestützte Dokumentation, die die Leidenswege der verurteilten Frauen eindrucksvoll schildert und dieses Kapitel der deutschen Geschichte dem Vergessen entreißt.

Biographie:


Annerose Matz-Donath, 1923 in Leipzig geboren, studierte mit dem Berufsziel Journalismus an den Universitäten Leipzig, Berlin, Jena und Wien (Studium generale, Hauptfächer Zeitungswissenschaft, Geschichte und Germanistik), bis nach dem 20. Juli 1944 die Universitäten geschlossen und auch die Studenten in die Kriegsproduktion dienstverpflichtet wurden.

Nach 1945 engagierte sie sich in Halle/Saale beim Aufbau der LDZ/Landeszeitung der Liberal-Demokratischen Partei für die Provinz Sachsen-Anhalt. Als deren stellvertretender Chefredakteur wurde sie im Mai 1948 vom NKWD verhaftet.

Von einem Sowjetischen Militär-Tribunal wegen „Spionage“ zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, verbrachte sie fast 12 Jahre in Gefangenschaft - mehrfach im „Roten Ochsen“ in Halle, im „Gelben Elend“ in Bautzen, im ehemaligen Nazi-KZ Sachsenhausen, danach im Frauenzuchthaus Hoheneck und in weiteren Zuchthäusern der ehemaligen DDR.

Inzwischen – unter dem 21.6.1993 – wurde sie von der Militär-Generalstaatsanwaltschaft in Moskau rehabilitiert, da „schuld- und grundlos verhaftet“ und „rechtswidrig, aus politischen Gründen“ verurteilt.

Nach ihrer Entlassung war sie in verschiedenen verantwortlichen Positionen im politischen Programm-Bereich der DEUTSCHEN WELLE in Köln tätig, bis die gesundheitlichen Folgen der langen Haft sie 1986 in einen vorzeitigen Ruhestand zwangen. Seit 1990 forschte sie anhand deutscher und russischer Akten nach politischen Hintergründen. Zugleich erfragte sie in rund 130 Interviews mit verfolgten Frauen, ihren ehemaligen Kameradinnen, deren persönliche Geschichten, die in diesem Buch ihren Niederschlag fanden.

 

Aus Besprechungen und Briefen an die Autorin:

"Ihre Schilderung... hat mich zutiefst erschüttert... Sie haben dem Leid ein Gesicht gegeben und es der Anonymität entrissen. Wenn schließlich keine Verbitterung bleibt und Versöhnliches Platz greift, so ist dies ein ganz besonderes Verdienst des Buches"
Der frühere Bundestagspräsident WOLFGANG THIERSE

"Über kommunistischen Terror in der Sowjetischen Besatzungszone ist gewiß schon manches geschrieben worden. Aber die Unmittelbarkeit der Aussagen in diesem Buch übertrifft die meisten anderen Berichte... Nein, dieses Buch ist keine angenehme Lektüre. Es enthüllt die Abgründe des Menschen und dieses Jahrhunderts."
DEUTSCHLAND-MAGAZIN

"Die Schicksale aus 130 Tonband-Protokollen sind so kunstvoll miteinander verwoben, daß über alle 480 Seiten die Spannung durchhält. Der eingearbeitete zeitgeschichtliche Hintergrund macht das Buch zugleich zu einem wichtigen, farbigen Nachkriegsdokument...
MITTELDEUTSCHE ZEITUNG ,Halle/Saale

"Die Journalistin Annerose Matz-Donath, selbst 1948 als angebliche Westspionin verhaftet und fast 12 Jahre in verschiedenen Gefängnissen und Zuchthäusern festgehalten, hat 130 von etwa 1.300 von Sowjetischen Militärtribunalen verurteilte Frauen interviewt... Viele von ihnen vermochten ihr Schweigen erst jetzt zu brechen, nachdem sie in den neunziger Jahren von der Moskauer Militärstaatsanwaltschaft rehabilitiert worden waren."
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG

 

INHALTSVERZEICHNIS


1. Kapitel: Mütter und Kinder

Bitterer Abschied

Der Florian

Zahnschmerz im Herzen

Die Mütterstube

Kindertränen



2. Kapitel: Die Hölle hat viele Tore

Eingefangen

Grenzerfahrungen

Recherche ins Abseits

Gefährliche Deutsche“

Auf Werwolf-Jagd



3. Kapitel: Verraten und verkauft

Das Butterplätzchen

Terror statt Brot

Um eine Nähmaschine

Unschuldsbewußtsein lebensgefährlich!

Flugblatt im Polizistenschrank

Für Judaslohn

Der wahre Hintergrund



4. Kapitel: Laßt alle Hoffnung fahren

Der erste Schock

Wenn sie „Rosamunde“ spielten

Maden und Fischgerippe

Ein kleiner Funke Menschlichkeit

Psychofolter

Kübelgeschichten

Sexuelle Gewalt


5. Kapitel: Russisches Roulette

Der Tod reiste mit

Die Fratze der Angst

Selber ein Ende machen

Wie ein Indianer am Marterpfahl

Sie lachten, wenn sie sie erschossen

Ein widerspenstiger Typ“



6. Kapitel: Lügner und Henker

Das Tribunal

Wyschinskijs Schatten

Ein teuflisches Drehbuch

Vergeblicher Aufstand

Silberkopf mit Feuerhaken